Archiv für Dezember 2008

freenet – zensurfrei und anonym wissen tauschen

idee und geschichte

wir möchten euch heute etwas vorstellen was nichts mit dem grünen provider riesen zu tun hat, jedoch den selben namen trägt. freenet heisst ein weltweites netz von rechnern, mit dem ziel, weltweit daten so verteilt zu speichern, dass keine zensur mehr möglich ist und ein anonymer austausch dieser informationen gewährleistet ist. wir möchten euch einen überblick geben über die struktur, den aufbau und die technische seite. ausserdem möchten wir erklären warum wir es auch für wichtig halten, dass mehr politische menschen sich im freenet tummeln, die negativen erscheinungsformen eines zensurlosen netzes aber auch nicht ausser kraft lassen.

1999 schrieb der irische student ian clarke eine arbeit zum thema „verteiles dezentrales informationsspeicher- und -abrufsystem“ welche sozusagen den startschuss für die entwicklung zum freenet gab. schon wenig später fand sich ein team um ian clarke zusammen, welches die idee in eine freie software versuchte umzusetzen. im märz 2000 wurde die erste version von freenet veröffentlicht und von anfang an heiß diskutiert. mit der veröffentlichung im internet, gründetet sich die „the freenet project inc.“ welche nun mit durch spendengelder finanzierten vollzeit programmierern die software stätig weiter entwickelte. 2005 entstand erstmals die idee, das freenet als darknet zu gestalten, so dass der zugang nur auf einladung bestehender teilnehmerinnen erfolgen kann, dieses wurde die wichtigste neuerung in version 0.7, welche im april 2006 veröffentlicht wurde.

diskussion

freenet ermöglicht es z.b. unterdrückten menschen in ländern mit staatlicher zensur und verfolgungsdruck an freie informationen zu gelangen, sowie subversive texte auszutauschen. je nach auslegung dieser grundsätze, ist es natürlich auch möglich in westlichen ländern zensierte und illigale texte auszutauschen. mit dem grundgedanken eines nicht zensierbaren netzes geht dies eigentlich noch konform. freies wissen ermöglicht es individuen eine bessere entscheidung zu treffen. demokratie ist im allgemeinen darauf aufgebaut das die bevölkerung gut informiert ist und die informationen nicht kontrolliert werden. im zuge des krieges gegen den terror und dessen nicht mehr vorzustellbaren kontroll und zensurmechanismen und deren ausweitung auf fast alle felder des täglichen lebens (von der mautbrücke bis zur tkü), stellt sich jedoch die frage, ob wir nicht ebend dieses freie netz im netz benötigen. gegnerInnen eines zensurfreien netzes, sehen allerdings sofort erscheinungen wie kinderpornografie und terrorimusvorbereitungen an höchster stelle und erachten zensurfreiheit deshalb als nicht aktzeptabel. es gibt jedoch möglichkeiten, sein eigenen netz teilbereich gegen bestimmte inhalte abzublocken und diese nicht weiter zu verbreiten. so ist es eigentlich jedem menschen möglich sich je nach philosophisch/politischem grundgedanken an einem zensurfreiem netz zu beteiligen.

technisches bla bla

um am freenet teilzunehmen, gibt mensch einen teil seiner festplatte als speicher zur verfügung. allerdings gibt mensch keine einzelen ordner oder files frei, sondern einen teil des speicherplatzes (ab ca. 1gb), welcher dann durch das freenet selbständig mit daten belegt wird. diese daten sind natürlich verschlüsselt und dies geschieht ohne wissen des nutzers, so das der benutzer keine kenntniss die gespeicherten daten.

durch das installieren der freenet software wird ebenfalls ein lokaler server installiert, der es mensch ermöglicht ähnlich wie im www zu surfen. auf einer startseite kann mensch sich andere seiten anfordern und bei gefallen diese verlinken und somit fördern, oder eigene hochladen. wer in das freenet eindringt kann sich allerdings vom surfen verabschieden, da wir im freenet etwas in der zeit zurückreisen. ähnlich müssen sich die generationen vor uns gefühlt haben, in den ersten tagen des www. die ladegeschwindigkeiten sind teils enorm, da die priorität auf sicherheitsspekten beruht und die software ersteinmal lernen muss, welche knoten die anfragen am besten bearbeiten.

anwendungen

im freenet finden sich vorallem flogs (weblogs, also freelogs), foren und eine art zeitvesetze e-mail dienste. aber auch das tauschen von dateien funktioniert bestens. dem anonymen datenreisenden seine hier keine grenzen gesetzt, da es sie nicht gibt. somit lassen sich aufrufe, strategien und anderes politisches zeugs, zensurfrei und dauerhaft verbreiten, es entstehen somit ungeahnte möglichkeiten der kommunikation und der organisation.

probleme

um am freenet teilnehmen zu können benötigt mensch mindestens eine adresse einer teilnehmerinnen. diese ermöglicht dauerhaft den zugang zum netz. ist mensch im netz angekommen sollten im privaten teilbereich des netzes ebenfalls knoten aufgebaut werden, welche dauerhaft einen zugang ermöglichen. da es vorkommen kann, dass die einstiegsadresse offline geht und somit der zugang versiegt. dies kann somit den datenfluss behindern, was aber vom freenet mit einem intiligenten routing in zukunft verhindert werden soll. ein weiteres problem ist, da speicherplatz von den einzelnen teilnehmerinnen zur verfügung gestellt wird, dieser endlich ist und somit ein teilkonflikt entsteht zwischen hinzufügen von neuen information und dem bewahren von alten. dies kann eigentlich nur verhindert werden, in dem ständig neue teilnehmerinnen sich dem freenet anschliessen.

wozu das ganze für uns

die verbindung eines zensurfreien und anonymen netzes und eines sog. darknets ermöglicht theoretisch ungeahnte verbreitungswege. alle angefixten und experimentierfreundlichen politik nerds rufen wir deshalb auf sich auf der liste zu beteiligen, um den aufbau des netzes zu diskutieren. die teilnahme an einem linksradikalen und politischem teil solch eines netzes wird sich wohl am ehsten über das einladungs- und vertrauensprinzip organisieren lassen. darum beteiligt euch jetzt am entstehungsprozess!

gegen zensur und überwachungswahn!
gedanken und wissen bleiben frei!

aLUG dez. 2008

weitere informationen und links unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freenet